Neues von la GomeraNeues von la Gomera - Frühjahr 2002
Bei den letzten Aufenthalten auf La Gomera fielen einige negative Ent-wicklungen besonders ins Auge: die Lärmbelästigung durch den ungebroch-enen Bauboom ist im Valle Gran Rey teilweise unerträglich geworden. Der Autoverkehr steigt, besonders durch das blühende Geschäft mit Mietwagen, immer noch rasant an.
Desweiteren erreichten uns Berichte über das Abrutschen einer Mülldeponie ins Meer, worauf hin sich die Präsenz des im Meer treibenden Mülls stark erhöhte. Keine Tour vergeht mehr ohne dass unzählige Plastiktüten und andere Relikte der Wegwerfgesellschaft gesichtet werden.
Auch Kanister, Autoreifen oder gar Kühlschränke wurden schon dahintreibend gefunden! Immer mehr Touren verkommen so teilweise zu "Waist Watching Touren".
Die Lage vor Teneriffa mit seinem Massen-Whale Watching hat sich auch nach dem Inkrafttreten der überarbeiteten Regulationen kaum geändert. Inzwischen nehmen mehr als eine Million Menschen (!) an den 15 – 20.000 Touren pro Jahr (!!) teil. Und zu allem Übel wurde die Weltmeisterschaft der Hochsee-Sportfischer 2001 ausgerechnet vor La Gomera veranstaltet!
Im Frühjahr 2002 mussten wir außerdem mehrere Seeschildkröten aus Netzen befreien, in denen sie sich verfangen hatten.
Mehrere Augenzeugen berichteten außerdem von Kollisionen oder Fast-Kollisionen der Schnellfähre vor allem mit Pilotwalen. Laut einem Zeitungsbericht kommen jährlich mindestens 20 Meeressäuger auf den Kanarischen Inseln durch Kollisionen mit Schiffen ums Leben. Die größte Gefahr geht dabei von den Schnellfähren aus.
Wir fragen uns: wie hoch mag die Dunkelziffer sein, nachdem das Thema jahrelang von den Betreibern der Fähren als praktisch nicht existent angesehen wurde?
Der Hafenausbau in Vueltas (Valle Gran Rey) soll noch in diesem Jahr beginnen. Die Pläne lassen Schlimmes vermuten: enorm ansteigender Schiffs- und Autoverkehr werden die Folge sein. Wenn in Zukunft eine Schnellfähre zwischen San Sebastian und dem Valle Gran Rey verkehren sollte, dann bedeutet dies eine erhebliche Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Meeressäuger - mit nicht absehbaren Konsequenzen für die Populationen...
Aus diesen Gründen ist unsere Arbeit vor Ort und in Deutschland nötiger als je zuvor!!
Kostete moderne Sonartechnik 17 Walen das Leben?Pressemitteilung des M.E.E.R. e.V. / GRD
Berlin, 01.10.2002. Nach der Massenstrandung von Schnabelwalen auf den Kanarischen Inseln mehren sich die Zeichen dafür, dass eine NATO-Übung für das Walsterben verantwortlich ist. mehr ...
Kanarische Inseln/Berlin. Nach dem Massensterben von Schnabelwalen auf den Kanarischen Inseln Fuerteventura und Lanzarote üben Umweltschützer, darunter M.E.E.R. e.V. und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), massive Kritik am Einsatz von Sonartechnik in Gebieten mit hohem Walaufkommen und machen die NATO-Manöver für die Katastrophe verantwortlich.
Am 24. September strandeten in den frühen Morgenstunden 15 Schnabelwale an den Stränden der Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote. Im selben Gebiet fand zeitgleich ein groß angelegtes Manöver der NATO statt, bei dem auch Sonartechnik von enormer Schallstärke eingesetzt wurde. 58 Schiffe, 6 U-Boote, 30 Flugzeuge und 9000 Soldaten waren an dem Manöver beteiligt. Inzwischen strandete ein weiteres Tier, und eines wurde tot im Meer treibend gefunden. Experten der Universität La Palmas de Gran Canaria äußerten als erste den Verdacht, dass ein direkter Zusammenhang besteht. "Die Tiere sind durch die Frequenzen orientierungslos geworden, möglicherweise liegen auch direkte Schädigungen des Orientierungssinnes vor", hieß es von Seiten der Fachleute. Die Kanarische Regierung hatte die NATO kurz nach dem Bekanntwerden der Massenstrandung aufgefordert, das Manöver umgehend zu stoppen. Die veterinärmedizinische Untersuchung der toten Tiere ergab inzwischen, dass mehrere Wale Blutungen im Gehirn und im empfindlichen Innenohr aufwiesen, die möglicherweise durch die starke Schalleinwirkung entstanden sind. Das Militär streitet jedoch bisher jeglichen Zusammenhang ab.
Die jetzige Massenstrandung ist indes nicht das einzige Vorkommnis dieser Art. Bereits sechs mal seit 1985 kam es zu Massenstrandungen auf den Kanarischen Inseln, und in vier Fällen war zeitgleich eine erhöhte militärische Aktivität verzeichnet und ein Zusammenhang mit dem Tod der Wale vermutet worden. Ähnliche Fälle ereigneten sich außerdem 1998 auf den Bahamas und im Jahr 2000 auf Madeira. Der Fall auf den Bahamas erregte große Aufmerksamkeit, da es wie im aktuellen Fall auf den Kanaren eine enge zeitliche Verbindung zwischen militärischen Aktionen und den Strandungen gab. Nach intensiven Studien von unabhängigen Wissenschaftlern strengte auch die Navy eigene Untersuchungen an.
Inzwischen hat sie, nach ursprünglichen Abstreiten jeglicher Zusammenhänge, eine Schuld am Tod der Wale eingestanden. Die Beweise waren so erdrückend, dass selbst die einflussreichen Kreise des Militärs nicht um die Anerkennung des Zusammenhangs umhin kamen. "Auch beim aktuellen Fall auf den Kanaren wird es für die NATO sehr schwierig werden, sich aus der Affäre zu ziehen. Die Aufmerksamkeit ist enorm groß und der Verdacht liegt nahe, dass die Wale tatsächlich durch die enorme Lärmbelastung geschädigt wurden" meint Fabian Ritter, Diplombiologe des M.E.E.R. e.V., der seit Jahren die Wale und Delphine der Kanaren erforscht. "Wahrscheinlich geraten die Schnabelwale, die sehr sensibel auf Schall reagieren, dermaßen in Panik, das sie sich nicht anders zu helfen wissen, als ihr angestammtes Element zu verlassen. Dass einige Wale noch lebten, als man sie fand, spricht für diese Vermutung" so der Biologe.
Die Befürchtung der Kanarischen Regierung ist groß, dass dieser Vorfall das Image der Inseln als Urlaubsparadies schädigt. Die Kanarischen Inseln sind eines der Top-Touristenziele weltweit. Hier gilt die Natur als noch intakt und die atemberaubende Schönheit der Inseln zieht alljährlich zig Millionen Menschen an. Die Kanaren sind auch bekannt für ihr reiches Vorkommen an Walen und Delphinen. Ganze 26 Arten wurden hier schon gesichtet, unter ihnen mehrere Schnabelwalarten, aber auch Delphine und Großwale. "Und dennoch steht es um den Schutz der Wale und Delphine hier nicht gerade gut" betont Fabian Ritter vom M.E.E.R e.V.. Neben den tragischen Fällen von Massenstrandungen besteht eine ganze Reihe weitere Gefahren: unkontrollierter Walbeobachtungstourismus führt z.B. vor Teneriffa zu einer enormen Dauerbelastung der hier ansässigen Populationen. Hinzu kommen die Schnellfähren, die immer öfter eingesetzt werden. Hier kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Kollisionen, die meist tödlich für die Tiere enden und auch für die Fährpassagiere eine Gefahr darstellen können.
"Die Artenvielfalt der Wale und Delphine auf den Kanaren ist einmalig. Das gesamte Archipel sollte zum Walschutzgebiet erklärt werden", so der Biologe weiter. "Dann werden solche Vorkommnisse wie die aktuelle Massenstrandung der Vergangenheit angehören und dringend notwendigen Maßnahmen endlich zum effektiven Schutz der Tiere beitragen".
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